Braucht die Welt noch eine hihi-kicher-kicher Kampagne?

Verkehr + Jugend = Sex? So scheint es zumindest wenn man eine ältere Kampagne der Jungen ÖVP Wien und die aktuelle Kampagne der JVP Oberösterreich betrachtet.

Sujet der JVP Wien
Sujet der JVP Wien
Quelle: vienna.at

In Wien war es die Nacht-UBahn für die mit schlüpfrigen Referenzen geworben wurde, in Oberösterreich ist es das Jugendticket. Die Sujets sind ähnlich: Ein junges – verliebtes? – Paar und ein „frecher“ Slogan dazu. Bei der Wiener JVP gab es zusätzlich noch eigene Sujets (und Pappaufsteller?) mit halbnackten Einzelpersonen. Natürlich durfte hier die Frau ein bisserl nackerter sein.

Um das hier festzuhalten, dieser Beitrag soll nicht das Thema Sexismus in der (politischen) Werbung behandeln, weil sonst müsste ich 100 Seiten schreiben und (so gut wie) jede österreichische Partei würde darin ihr Schauferl abbekommen. Und auch die Kampagne der JVP OÖ selbst finde ich nicht sexistisch. Nein, es geht um die Themen Jugend und Verkehr/Mobilität und darum, dass die JVP bei diesbezüglichen Kampagnen offensichtlich nicht ohne sexualisierte Anspielungen auskommt. Und das ist schade.

 

Das Sujet der JVP OÖ
Das Sujet der JVP OÖ
Quelle: facebook.com/jugendticket

Kann man das Thema Jugendliche/junge Erwachsene und öffentlicher Verkehr denn nicht ohne diesen hihi-kicher-kicher-wir machen-eine-halblustige-Anspielung-auf Geschlechtsverkehr Unterton machen? Mir sind keine anderen Verkehrs-/Mobilitätskampagnen, weder von Parteien, parteinahen Organisationen oder öffentlichen Stellen, bekannt, die diese Referenzen brauchen. Sogar die ÖBB, die auch bei Kampagnen schon durchaus mal ins peinliche-Anspielungen-und-Platt-Klo gegriffen haben, haben aus Fehlern gelernt und schaffen es, in ihren Kampagnen zum Sommerticket für Jugendliche (mehr oder weniger kreativ) auf Sex-Referenzen zu verzichten. Sollte jemand eine Kampagne kennen, die in dieses Schema passt – bitte immer her damit!!

Oversexed and Undercreative

Wir leben ohnehin in einer übersexualisierten Welt. Überall sind alle nackt und haben Sex, in Zeitungsinseraten, auf Plakatwänden und im Fernsehen – eine Brust hier, ein Popsch da und nackte ineinander geschlungene Körper dort. Bitte nicht missverstehen, aber im Ernst mal: DAS eigenartig zu finden hat in meinen Augen mit Prüderie nichts mehr zu tun. Muss man als politische Jugendorganisation denn auch noch auf diesen Zug aufspringen? Sollten es nicht grade diese Organisationen sein, die „drüber“ stehen und mit witzigen, frechen, provokanten und vor allem neuen Slogans Aufmerksamkeit erregen? Traut’s euch doch mal kreativ zu sein! Traut’s euch auf Sex-Anspielungen bei Verkehrskampagnen zu verzichten!

Aber eines haben die OberösterreicherInnen von der JVP dennoch geschafft. Es wird über sie und ihre Kampagne geredet. Besser wäre zwar, es würde das Angebot für die Jugendlichen (nämlich um wenig Geld viel herumfahren) im Vordergrund stehen und nicht, wie so oft, Sex. Aber dennoch: We’re talking about it.

 

 

 

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *