Catbearding – Moustache war gestern. Heute trägt man Katze!

catbearding
Auch ich habe Catbearding mit einer meiner Katzen ausprobiert

Ein neuer „Trend“ geistert durchs Web. Beim catbearding fotografieren sich Menschen mit einer Katze vor Mund und Nase – in einem Winkel, dass es aussieht als hätte man einen Bart – Ich empfehle dazu den Hashtag #catbearding auf Instagram zu verfolgen. Schon 2011 wurde versucht diesen Trend auf einem tumblr zu etablieren – damals noch erfolglos. Warum catbearding gerade jetzt von mehreren UserInnen aufgeschnappt wurde, kann (wie bei so vielen anderen Internet-Phänomenen) kaum erklärt werden. Vielleicht aber, weil es nach #Planking, #Vadering, #Hadouken, Gangnam Style und Harlem Shake Zeit für was neues wird. Und eventuell auch, weil es nach LolCats  (die hoffentlich nie alt werden) Zeit für neuen Cat Content wird.

I can rulez the web?

Auf der re:publica 2013 war ich in einer Session von Kate Miltner, die eine wissenschaftliche Arbeit (pdf) über das Phänomen LolCats geschrieben hat. Darin erklärte sie nicht nur, dass es unterschiedliche Catcontent-ProduzentInnen und -KonsumentInnen gibt, sondern auch, warum Kätzchen so erfolgreich sind. Kätzchen sind vermeintlich harmlos und lustig. Mit einem Katzenbild und einem witzigen Text dazu kann man auch komplexe (ja, auch politische) Themen und Befindlichkeiten leichter ausdrücken. Es ist einfacher, ein traurig schauendes Kätzchen mit dem Text „Me haz sad“ irgendwo zu posten, als zu schreiben „Leute, ich bin traurig“. Internet-Memes abstrahieren und bringen Dinge meist besser auf den Punkt als (langwierige) Texte. Sie entsprechen unserem „visuellen Zeitalter“. Zudem ist ein Foto auch schneller mal geteilt und im Web verbreitet.

Aber warum Katzen?

Ich habe Kate Miltner nach ihrem Vortrag gefragt, warum es gerade Katzen und nicht Hunde, Hasen oder Eulen sind, die im Web so unglaublich erfolgreich funktionieren. Ihre Erklärung dazu war zum einen der Charrakter, der Katzen zugeschrieben wird: Sie gelten als selbstbewusst, eigenständig stark und im gegensatz zu Hunden als „nicht trainierbar/abrichtbar“. Katzen lieben dich nicht einfach so, Katzen machen was sie wollen – warum also nicht auch frech im Internet unterwegs sein? Ein zweiter Grund mag sein, dass Katzen, mehr als andere Tiere, über ein breites Repertoire an „Mimik“  – die dem menschlichen Gesicht oftmals sehr ähnlich ist – verfügen.

Meine eigene kleine Internetrecherche ergab zudem, dass es mehr Katzen als Hunde oder Nagetiere als Haustiere im deutschsprachigen Raum wie auch in den USA gibt. Irgendwo logisch also, dass sich vielleicht mehr Menschen mit einer Katze „identifizieren“ können als mit einer Eule.

It’s the web, stupid!

Das Web ist ein Ort der Freizeit. Ja, natürlich ist das Web aus dem Arbeits- und Forschungsalltag nicht mehr wegzudenken. Aber in Social Media steht nach wie vor eines im Vordergrund: Spaß. Und das ist per se ja auch nichts schlechtes. Wir sind den ganzen Tag mit Arbeit, Politik und Geld befasst, irgendwo wollen wir doch auch abschalten und unterhalten werden. Da das Web immer mehr Teil unserer realen Welt wird, wir dort Unterhaltungen führen, die für uns genauso echt sind, wie der Plausch bei einem Kaffee mit FreundInnen – ist auch das Web Ort für Erholung.

Was man nun daraus lernen kann? Sich vielleicht nicht immer so ernst zu nehmen. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass jede Person und jedes Unternehmen jeden Tag fünf Kätzchen irgendwo posten soll. Aber man sollte sich durchaus Gedanken darüber machen, wie man seine Kommunikation vereinfachen, ja vielleicht auch spaßiger gestalten kann – ohne dabei lächerlich oder unprofessionell zu wirken. Und ja, das geht!

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